Das Land der sozialen Kaelte
22.10.09
Immer wieder kommt es vor, dass sich die eigenen Gedanken versuchen zu lösen, aus dem Nebelschleier der emotionskalten Sachlichkeit: sie wollen Wege suchen und das ungehindert von der sachlichen Denkweise unserer Daseins. Ob das immer gelingt ist die Frage, denn nicht selten stehen wir uns selber im Weg und verhindern so, dass der menschliche Kreislauf ungehindert fließen kann. Wenn ein solches Verhalten dann allerdings auch noch zum gesellschaftlichen Standard erklärt wird, ist es bereits zu spät, um zu mahnen und über lange Sicht hinweg einen neuen Weg aufzuzeigen. So ist es leider auch bei uns im Lande, und deshalb bleibt nur die Möglichkeit aufzuzeigen, welche soziale Kälte uns umgibt und wie stark diese bereits unser Leben bestimmt. Bewusst möchte kein Mensch sein Leben bestimmen lassen, und doch werden die meisten Stürme zu einem goldenen Käfig, ohne das man sich auch nur ein einziges Mal Gedanken darum macht.
Das falsche Gesicht – der Schein ihres Wortes
Nach einem solchen Käfig muss man im Dunstkreis auch gar nicht lange suchen, und findet diesen oft dort, wo man ihn am wenigsten vermutet. Leider scheint gerade unsere Gesellschaft dazu verflucht zu sein, in einem solchen Käfig zu leben. Man passt sich an, man ist gesittet, man lacht, obwohl man nicht lachen möchte, und man lässt sich von Menschen beeinflussen, welche vom Status scheinbar über einem selbst liegen. Dabei gibt es im Grunde nur einen einzigen Status, und den nennt man Menschlichkeit. Genau hier beginnt aber das Trauerspiel. Im Zusammenhang mit diesem Begriff und dem Weg „Gesellschaftsausstieg“ wird von manchen Menschen einiges falsch gedeutet und umgesetzt. Oft sind es nämlich genau die, die am lautesten nach Solidarität, Verständnis und einem Miteinander schreien, welche diese Tugenden gar nicht erst leben. Also nur leere Phrasen, welche im Grunde weiterhin die soziale Kälte fördern. Ohne es selber zu ahnen versuchen diese Personen, anderen Menschen einen Weg aufzudrängen, den diese nicht gehen wollen, bzw. können. Lehnt man diesen Weg ab, ist man ein schlechter Mensch oder wird falsch eingeordnet. Aber aus so einem Verhalten kann man auch wieder ersehen, dass „Extreme“ im Leben niemals der Weg aus etwas oder in etwas hinein sein kann. Mit Vorliebe werden diese Menschen oft zornig, wenn man einem Tier nicht genug Beachtung schenkt oder eine Pflanzenart nicht kennt: in der selber Sekunde sehen diese aber weg oder lenken ab, wenn es Menschen schlecht geht. Mit einem kalten Lächeln bekommt man dann Tipps, welche ohne Bedeutung sind. Auch wird als selbstverständlich betrachtet, was nicht selbstverständlich ist: und je mehr sich einfache Menschen dann ehrlich öffnen, desto härter werden diese Menschen, welche sich für große Streiter der Menschlichkeit halten. Ein schlimmeres Bild der sozialen Kälte gibt es nicht.
Bildhauer der Gesellschaft
Ja, die soziale Kälte hat in der Tat viele Gesichter, die in ganz unterschiedlichen Bildern dargestellt werden können. Kaum einer spricht in der heutigen Zeit noch von echten Bildhauern. Diese Menschen wurden aber mit einer wirklich humanen Fähigkeit gesegnet: sie erkennen das Schöne, das Wesentliche bereits bevor es erschaffen wurde. Sie geben sich keiner fertigen Illusion hin, sondern erschaffen diese. Ein solcher Mensch mit solchen Fähigkeiten, trägt eine Menge Verantwortung, welche sowohl positiv als auch negativ umgesetzt werden könnte. Aus dem Nichts ist da etwas, dass auf unsere Wahrnehmung wirkt, was uns im gewissen Sinne beeinflusst. Das positive daran ist vor allem, dass man sich gegen solche Werke innerlich nicht wehren kann: jeder nimmt sie wirklich für sich unterschiedlich wahr und funktioniert in diesem Moment nicht nach einem kalten System. Für einen Moment wird also wieder die menschliche Seele aktiviert und fängt an etwas zu fühlen, was lange Zeit in Vergessenheit geraten war. Alleine schon auf diesem Grund, kann man die Arbeit eines Bildhauers als sehr wertvoll betrachten und kann nicht dankbar genug sein, dass es solche Menschen noch gibt, die es sich nicht nehmen lassen, selber Glück zu entwickeln. In der Tat gerade in der heutigen Zeit keine leichte Aufgabe, wenn man sich die leeren Gesichter auf den Straßen so ansieht.
Die Unauffälligen – gelöst vom kalten System
Wenn man durch diese Straßen der leeren Gesichter geht, trifft man hin und wieder allerdings auch Menschen, die ein ungewöhnliches Feuer noch immer in ihren Augen tragen. Diese besonderen Wesen sind unauffällig und doch leicht aus der Masse heraus zu erkennen, da sie immer von diesen verwundert angesehen werden. Dieses Feuer macht vielen Menschen Angst und ist dabei nur ein Zeichen für eine lebendige und freie Seele. Sie bewegen sich im Sog der Masse, und immer wenn sich diese bewegen, ist ein warmer und angenehmer Windzug zu erkennen und zu hören. Menschen, die dieses Feuer ebenfalls in sich tragen, empfinden es sogar als angenehm. Warum solche freien Wesen nicht auffallen, liegt im Ursprung. Menschen, die wirklich ausgestiegen sind aus der sozial kalten Gesellschaft, erkennen die guten Dinge dieses Flusses an und lösen sich nur von den extremen und negativen Gedanken und Handlungen. Sie haben Respekt vor jedem Menschen und drängen einem keinen Weg auf. Vielmehr reichen sie die helfende Hand zum Ausstieg und akzeptieren, dass sich Gewohnheiten eingelebt haben, die man nicht ändern kann. Um den natürlichen warmen Kreislauf zu leben und zu erkennen, muss man auch manche Dinge unseres heutigen Lebens lernen zu akzeptieren. Im Wesentlichen hat jeder Mensch seine Gewohnheiten und das ist auch nicht verkehrt. Um der sozialen Kälte entgegenzuwirken, reicht es im Prinzip aus, die Natur anzuerkennen und zu schützen und zwar jeder auf seine Art im Glied der Gemeinschaft. Jeder zieht seine Energie aus einem solchen Element, aus dem natürlichen Energiespender: aber auf seine ganz eigene Art. Nach dem Schritt dieser Anerkennung respektieren wir uns selbst und können unsere Mitmenschen respektieren, und diese Art von Erkenntnissen im täglichen Alltag umsetzen und leben.
Freie Gedanken
Um die soziale Kälte zu beenden, ist es der verkehrte Weg, einen anderen Weg nach Konzept auf Druck aufgebaut, aufzuzeigen. Hier trägt man eine soziale Kälte in die andere hinein und verschlimmert die Situation. Gerade der Kreislauf der Natur sollte uns Menschen zeigen, dass wir uns untereinander helfen sollten: und das ganz gewiss nicht nur mit Worten. Kinder schlafen zum Teil auf der Straße oder sogar ganze Familien und das in einem Land, wo keiner in Armut leben müsste. Menschen bekommen keine Gelegenheit mehr auf einen Jobeinstieg, weil die Bürokratie alles zerstört. Ältere Menschen leben am Rand der Gesellschaft, weil sie keiner mehr hört und sie zum Teil arm gehalten werden. Fast jeder Mensch ist voller Neid auf den anderen und lebt am eigentlichen Leben vorbei. Die Oberflächlichkeit hat gerade in Deutschland eine so große Oberhand, dass gerade dieses Land ein abschreckendes Beispiel dafür ist, wie weit soziale Kälte sich entfalten kann.
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Ein Mensch, welcher keine wahre Menschlichkeit kennt, wird niemals begreifen, was es heißt, in einer Wärme des ehrlichen Daseins zu leben.
Ihr Joachim Sondern



















