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Das Märchen der positiven Konjunkturwende

Verfasst von: admin am August 13, 2009 Kein Kommentar

13.08.09

Würde man den aktuellen Medienberichten und unseren Politikern Glauben schenken, so könnte man voller Freude auf eine positive Zukunft blicken. Eine Zeit in der die Rezession bereits überstanden ist, es mit der Wirtschaft aufwärts geht und das Schlimmste bereits hinter uns liegt. Nun, Märchenbücher lesen sich auch gut, und doch ist sich jeder Leser darüber im Klaren, dass es nur erfundene Zeilen sind, die aus einer Fantasie heraus entsprungen sind. Zurzeit mag es kein besseres Märchen geben, keine größere Fantasie als das Buch der politischen Glückseeligkeit. Diese Schrift hat schon seit Jahrzehnten Bestand und findet immer wieder Anwendung.


Scheinbarer Aufschwung keine Überraschung

Natürlich ist es kein Wunder das Wirtschaftsminister Guttenberg erfreut darüber ist, dass alles so positiv verläuft und das Bruttoinlandsprodukt um 0,3% zum letzten Quartal gewachsen ist. Die Talfahrt, welche im Grunde schon deutlich vor dem Jahre 2008 angefangen hat, bedenkt er nicht, auf der Gegenseite der Bilanz. Es ist ein leichtes immer nur die positive Bilanzseite zu erwähnen, aber die Lastenseite kann man dadurch nicht einfach löschen. Diese bleibt weiter bestehen, und die Last dieser Seite, welche durch die Gesamtheit des Volkes getragen werden muss, wird immer größer. Wenn man in Milliardenhöhe Steuergelder in die Wirtschaft investiert, ohne eine klare Leitlinie dabei zu verfolgen, dann entspricht es der ganz einfachen Logik, dass kurzfristig die Wirtschaft wieder nach oben geht. Gelder die über Jahrzehnte erwirtschaftet wurden, werden nun in Windeseile mit vollen Händen ausgegeben, und auch weitere Verschuldungen nimmt man gern in Kauf. Schließlich ist Wahljahr, und da müssen die Statistiken schon passen. So lässt sich dann auch eine Krise als positive Wende bezeichnen. Haben die Probleme gerade erst angefangen, so spricht man in Berlin bereits von einem Ende der Rezession. Nun, alle bisher getätigten Handlungen waren die Vorboten auf die uns bevorstehende Auswirkung dieser noch inaktiven Krise. Zwar sind wir an einem Wendepunkt, aber nicht an einem, welcher auf einen schnellen positiven Ausgang hoffen lässt.


Banken spielen weiter Monopoly – HRE volle Kraft bergab

Ein Indiz dafür, ist das Verhalten der HRE. Seit Monaten füllt diese Bank die Schlagzeilen und dient wunderbar als Beispiel dafür, wie es die Regierung nicht machen sollte und das unser aller Schicksal im Grunde nicht von Bedeutung ist. Laut Focus Money benötigt die HRE weiterhin umfassende Kapitalunterstützung. Grund hierfür sei, dass sich die Problemkredite fast verdoppelt haben und so vom Dezember 2008 bis Juli 2009 auf 9 Mrd. EUR angewachsen sind. Ganze 4 Milliarden zusätzlich hat sich hier also angesammelt, und man fragt sich immer wieder, was aus der großen Kapitalunterstützung geworden ist, welche die HRE bereits erhalten hat. Hier wurden Milliarden Steuergelder verschwendet, und dann kommt die HRE wiederum und wendet sich mit der Bitte nach Kapitalunterstützung an den Staat.  Frech weg wird behauptet, dass erst ab 2012 mit einer Rückkehr in die Gewinnzone zu rechnen ist. Nun wenn dem so ist, dann kann ja ab jetzt jeder Unternehmer die Hand aufhalten und sagen, gebt mir Geld: irgendwann in 3 bis 4 Jahren verdiene ich mal wieder, aber so lange bitte ich um euer Geld, denn schließlich beschäftige auch ich Menschen, die weiter existieren müssen. Das wäre Utopie? Richtig: aber es ist auch Utopie, dass die kleinen Steuerzahler die hohen Risikogeschäfte absichern sollen. Das ist unmöglich und führt ein Land nur in direkte Armut. Die Vernichtung des gesamten Sozialsystems, von der Hausfrau, über den Arbeiter bis hin zum gesunden Mittelstand, steht vor dem Tor, und es liegt an uns dieses zu verhindern.


Immer mehr Arbeit – keine Lösung auf Dauer

Dieses ganze Bankenspiel und auch das in Szene setzen des menschlichen Gewissens funktioniert makellos.  Glaubt doch ein Großteil der Bevölkerung tatsächlich daran, dass durch Mehrarbeit und weniger Lohn, die Fehler korrigiert werden können, welche von Managern mit Millionengehältern ausgelöst wurden. Sollte doch jeder Arbeiter, jeder Angestellte, jeder kleine Selbstständige endlich erkennen, dass sie über Jahrzehnte viel geleistet haben und an dem unschlagbaren guten Wirtschaftsergebnis mit beteiligt waren. Viel geleistet wurde in der Tat, und so hat es die Mehrheit der Menschen nicht zu verantworten, dass einige wenige Herrschaften aus dem elitären Kreis, Milliarden in wenigen Minuten verzockt haben, bzw. in wenigen Monaten. Es kann nicht sein, dass man als „Systemsklave“ Krankheiten in Kauf nimmt, die doppelte Arbeitslast auf seinen Schultern trägt und dafür noch weniger Lohn akzeptieren muss. Jeder von uns war am Aufbau einer glanzvollen Zeit beteiligt, und daher dürfte es uns auch nicht schlecht gehen. Es besteht ein Anspruch des Volkes auf Hilfe, denn es dürfte gar keine Probleme geben auf unserem freien Markt. Durch Arbeitskraft und Ehrgeiz der Masse wurde alles aufgebaut und aufrecht erhalten, und doch akzeptiert man die Lösungen der großen Industrie, anstatt für seine Rechte zu streiten. Selbst wenn alle demnächst 60 Stunden in der Woche arbeiten gehen, für 800 Euro netto, lässt sich dieses sinnlose „Rettungsvorhaben“ nicht auffangen, und man hat seine eigene Gesundheit zerstört.


Wie lange hält der Steuerzahl der Last stand

Hier stellt sich nicht nur die Frage nach der körperlichen Last, sondern überhaupt nach der Schulterbreite des Steuerzahlers. Selbst eine starke Gemeinschaft, von welcher wir weit entfernt sind, könnte eine solche Last kaum tragen und schon gar nicht die Fehler korrigieren, aber eine Gemeinschaft von Einzelkämpfern erst recht nicht. Der einfache Bürger sucht immer nach einem Menschen, welcher noch kleiner ist als er selbst, vor dem er Stärke präsentieren kann, und genau dieser Wahn kann uns zerstören und alles das zu Nichte machen, was hart erschaffen wurde über Jahrzehnte hinweg. Längere Arbeitszeiten, weniger Lohn, weniger Krankmeldungen aus Angst, kaum noch Erholung, dadurch angespannte Verhältnisse bei den Familien, die Kinder tragen es dann mit in die Schule hinein, und so zieht sich der Faden durch unsere komplette Gesellschaft. Es wird also mehr als deutlich, dass die entstandene Last, welche Risikobanker und Manager zu verantworten haben, sicherlich nicht durch den Steuerzahler auf Dauer getragen werden kann, und dieser auch nicht mit seinem Wohlstand dafür zu bürgen hat, dass Millionäre vollste Sicherheit genießen. Die Normalschicht genießt beim Geschäftsaufbau etc. auch keine Sicherheiten und muss regelmäßig bluten.


Der Freie Gedanke – es kommt wie es kommt

Klar ist, dass man sich seitens der Regierung schon lange dazu entschlossen hat, ein Zirkus der besonderen Art aufzubauen und den Mensch in verschiedenen Schichten zu unterteilen. Dies war ein langer Prozess, welcher von vielen Bürgern leider viel zu lange ignoriert wurde. Ab dem Moment, wo man Menschen in Klassen unterteilt, sei es bei der Krankenkasse, im Berufsleben oder auch in der Schule, beginnt man ein anti-humanes System aufzubauen, welches mit einer gesunden, sozialen Demokratie nichts mehr gemein hat.

Es mag das Schicksal der Masse sein das Chaos zu leben, aber die Pflicht Einzelner, die Masse zu erwecken und die Bilder zu offenbaren, die hinter diesem Schauerspiel zu finden sind!

Joachim Sondern

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