Bundestagwahlen 2009 – das Machtspiel geht in die Endphase

05.07.09

Neue schwarze Wolken verbreiten sich über das Land, und keiner fragt danach, wo diese wohl herkommen. Es offenbart sich ein Bild wie in dunkelsten Tagen unserer jüngsten Geschichte: die Überwachung scheint längst in Vergessenheit geraten zu sein. Langsam aber sicher treten wieder die Marionetten in Erscheinung, um die Hauptsaison einzuläuten und viel Spaß und Freude zu verbreiten. Da verschenken nette „Onkels” Luftballons, Kugelschreiber und manchmal sogar Schnittchen. Viel Musik, eine Menge falsches Gelächter und Worte, die wie Gold klingen und doch den Untergang bringen. All das kann man in diesem Jahr erleben, nur wenn man über die Straßen geht. Gratisunterhaltung und ne Menge falsche Hoffnung wird gestreut: was kann sich der „stumme” Zuschauer da noch mehr wünschen?

Das Konzept – ein psychisches Spiel im Hintergrund

Wie im Wunderland hört sich das Ganze an, und die meisten werden glauben, in einem Paradies zu leben. Sie werden sich nach alter Manier verstanden fühlen, glauben, dass man für ihre Probleme ein offenes Ohr hat, dass man neue Leute einsetzet, welche die Schwierigkeiten des kleinen Bühnenausstatters lösen, ohne dabei auch nur ein einziges Mal dessen eigenständiges Denken abzuverlangen. Sorglos und wie ein realer Traum den man lebt. Warum also Handlungen fordern, wenn man alles serviert bekommen kann? Leider ist dies kein Märchen, sondern die Realität und es scheint so, als ließe sich das neue Drehbuch aus Berlin mit Leichtigkeit umsetzen. Zwar hat man die Regisseure vertauscht und den Wortlaut ein wenig geändert, aber im Prinzip wurde dadurch alles noch schlimmer, denn die Normalschicht aus dem Kern des täglichen Werkes versteht es nicht mehr und möchte es auch nicht verstehen. Psychologie im höchsten Kreis der Narrenindustrie wurde hier eingesetzt und Vorgänge thematisiert, welche schon längst kein Thema mehr sind.

Die Krise – ein Weg ohne Ziel

Da kommt die Spielkrise gerade recht, welche ganz bewusst in Szene gesetzt wurde. Unter dem Vorhang dieser doch harten Zeit, welche wir angeblich selber zu verschulden hätten, lässt sich prima Wahlkampf machen. Das Getriebe resigniert, es ist müde geworden, und so bedarf es keiner Anstrengung den Thron der Macht zu schützen. Niemals war dies leichter als in der Ist-Gegenwart, der jetzigen Bürgerindustrie. Im Akkord greifen die drei Staatsmächte ineinander über. Legislative, Exekutive und Judikative Gewalt wurden schon längst vernetzt und werden unter dem Vorhang der großen Krise vereinigt. Eine Gewaltenteilung aus dem demokratischen Zauberbuch ist nicht mehr gegeben und kann auch durch eine neue Formel nicht wieder hergestellt werden, wenn man das Gleichgewicht bedenkt, in welche man sie bringen müsste. Da müsste man schon die Zauberlehrlinge austauschen, und ob dies effektiv ist, bleibt auch dahingestellt. Zu Zauberkrise kann man nur sagen „Nomen est Omen – Der Name ist ein Zeichen” und so oft diese Redewendung auch scherzhaft gebraucht wurde, genauso treffend ist sie auch in dieser dunklen Zeit. Eine Wende, welche Erfunden wurde und welche nicht existiert, ein Fass ohne Boden, welches genug Argumentationsstoff liefert für einen manipulativen Wahlkampf. Man kann die Schafe in Angst versetzen und am nächsten Tag wieder ins Tal der Hoffnung führen. Die Krise kann man als Überstanden ansehen und am nächsten Tag steht sie wieder am Anfang und das nach einem Konzept in fester Reihenfolge bis zum Wahlabend, ohne den wirkliche Krisenverlauf jedoch zu beachten. Die vollkommen unnötig entstandene harte Zeit ist also das beste Werkzeug, um den uneigenständigen Denker auf Kurs zu halten. Viele Versprechen und am Ende steht eine reale Krise, die uns alles nehmen kann, was über Jahrzehnte erschaffen wurde. Heute Leichtigkeit und morgen Chaos.

Wird sind nur das Material in diesem Szenario

Im Grunde sind die Wähler das Wahlkampfmaterial im „Spiel der Diebe” und nicht das Wahlplakat, nicht die Wahlversprechen und auch nicht die angeblich sozial schlechte Lage im Rad des Getriebes. Dunkeldenker gibt es genug, also fällt es nicht auf, wenn ein Staatstiefflieger dies nutzt. Diese Denker bringen also keinen Nutzen im Bezug auf eine positive Wandlung: hier sind Individualisten, Menschen mit neuen Ideen gefordert, welche bereit sind diese als ehrliche Gemeinschaft umzusetzen.  Es wird mehr ehrenamtlicher Einsatz gefordert, der Kabarettist soll für den Theaterstar das Publikum betäuben, damit der Hauptakt nicht mehr ins Rampenlicht fällt, obwohl er sich mitten in diesem befindet. Dann kommt unter dem Traummantel ein großer Redner hervor, redet von einer Gemeinschaft, obwohl er sich längst im Klaren darüber ist, dass diese Gemeinschaft niemals entstehen wird, weil sie es nicht wollen. Aber als Wahlkampfmaterial sind diese kleinen, traurigen Gesichter doch nun mal bestens zu gebrauchen und so muss man halt auch mal wieder das alte Märchenbuch ausgraben und schöne Geschichten erzählen. Man kann seinen Verdienst verdoppeln, bekommt Applaus und hat im „Material” auch gleich die wertvolle Stimme vereint. Es muss sich also gar nicht darum bemüht werden diese Stimme zu pflegen, denn Sie wird direkt in die Enge getrieben und geblendet vom Licht der ewigen Zufriedenheit. Man nehme eine Bankmischung aus Brot und Spielen und fertig ist das Gericht, welches den Wahlartisten zur Ruhe stellt.

Neuwahl schon im Terminkalender

Wen wundert es da noch, dass die Herren des ewigen Glanzes da doch schon einen Neuwahltermin im Kalender „notiert” haben. Alles ist darauf ausgerichtet, dass man nochmals den bestmöglichen Nutzen aus diesem Verlauf zieht und mal wieder nicht ans Volk denkt. Drahtzieher suchen bereits das Weite und wandern weiter in sichere Ufer des versteckten Hintergrunds, denn Sie wissen: irgendwann dürfen Sie das Spiel fortsetzen. Das Volk wird aufgebracht sein, eine Neuwahl fordern und dort kommen dann ganz neue Artisten zum Vorschein, und da alles seinen Preis hat, werden diese Damen und Herren auch ganz schnell nach altem Muster funktionieren. Das Gewand ist neu, aber die Taktik weiterhin die gleiche und zwar so schwarz, dass man ab diesem Zeitpunkt gar nichts mehr erkennen kann.

Wenn wir nicht bereit sind, neu und individuell zu denken und die alten Wege komplett zu verlassen, so werden wir es nicht aufhalten können, dass ein Buch erscheint, das heißt: der Untergang der Menschen und warum Sie sich im Wahn zerstörten.

Ein Zeichen setzt man nicht durch eine Wahlstimme, sondern durch das ergänzende Leben im Alltag als Gemeinschaft.

Joachim Sondern

Kommentare (1)

  1. Stefan Wehmeier sagt:

    THEOLOGISCHE DEBATTEN DES MITTELALTERS

    “Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.”

    Sir Arthur Charles Clarke (1917 – 2008)

    Die Religion, die schon immer die Aufgabe hatte, die Fehler der Makroökonomie aus dem Bewusstsein des arbeitenden Volkes auszublenden, war solange notwendig und sinnvoll, wie niemand diese Fehler zu beheben wusste, die zwangsläufig zu systemischer Ungerechtigkeit und damit zu Massenarmut und Krieg führen. Ohne die selektive geistige Blindheit, die uns “wahnsinnig genug” für die Benutzung von Zinsgeld machte, und die noch heute die Menschheit in Herrscher (Zinsprofiteure) und Beherrschte (Zinsverlierer) unterteilt, wäre unsere Zivilisation nie entstanden.

    Erst der Prophet Jesus von Nazareth erkannte, wie die Makroökonomie zu gestalten ist, damit niemand einen unverdienten Gewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Frucht vom Baum der Erkenntnis) erzielen kann. Doch mit dem Cargo-Kult des Katholizismus mutierte die seit Jesus eigentlich überflüssige Religion vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode: weitere 1600 Jahre Massenarmut und Krieg, seit der Vernichtung der Gnosis (Kenntnis) im vierten Jahrhundert.

    Die “heilige katholische Kirche” degradierte das Genie zum moralisierenden Wanderprediger und projizierte das von Jesus vorhergesagte “Königreich des Vaters” (Freiwirtschaft, Vater der Kultur = Kreditangebot), in dem die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beendet ist, auf ein hypothetisches “Himmelreich” der Toten, nur um selbst eine “Moral” verkaufen zu können, die in der idealen Makroökonomie so sinnlos ist wie eine Taschenlampe bei Sonnenschein.

    Der religiöse Wahnsinn beließ die Menschheit in der systemischen Ungerechtigkeit des Privatkapitalismus (Erbsünde) und ließ so dem ersten Weltkrieg noch einen zweiten folgen, obwohl der Sozialphilosoph Silvio Gesell bereits 1916, unabhängig von der Heiligen Schrift und erstmals auf wissenschaftlicher Grundlage, genau das wieder beschrieb, was der geniale Prophet Jesus von Nazareth als erster Denker in der bekannten Geschichte als Wahrheit erkannt hatte: absolute Gerechtigkeit durch absolute Marktgerechtigkeit.

    Heute (2009) sind wir an genau dem Punkt angekommen, den die israelitische Priesterschaft schon vor 2600 Jahren vorhergesehen hatte: Wir stehen unmittelbar vor der globalen Liquiditätsfalle (Armageddon), der totalen Selbstvernichtung, denn der Krieg (umfassende Sachkapitalzerstörung) konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab! Doch ein Atomkrieg ist gar nicht erforderlich, um unsere ganze “moderne Zivilisation” auszulöschen; es reicht schon aus, wenn wir weiterhin an den “lieben Gott” (künstlicher Archetyp: Jahwe = Investor) glauben und Zinsgeld (Geld mit parasitärer Wertaufbewahrungsfunktion) verwenden.

    Ich wünsche dem einstigen Land der Dichter und Denker Viel Erfolg bei der Auferstehung noch vor dem jüngsten Tag (1. Januar 2010).

    Stefan Wehmeier

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