Europawahlen – Wenn Roboter wählen!
09.06.09
Nun liegt die Europawahl 2009 hinter uns, und leider wurde es ein Abend wie seit vielen Jahrzehnten. Unsinnige Diskussionen mit den etablierten Wahlsiegern, falsche Gesichter, falsche Tatsachen und Manipulationssiege schmückten diesen Abend. Freidenker haben mal wieder umsonst geredet, denn die Masse hat nicht auf sie gehört. In einer Spaßgesellschaft, wie die unsere, scheint man eine Wahl als Event zu sehen wie ein Rockkonzert. Aus Gewohnheit wurde das Kreuz wieder dort gemacht, wo man es seit Kriegsende macht und das in einer Zeit, wo der Lissabon Vertrag zur Debatte steht, wo die Krise einen Schatten auf uns wirft und damit unser aller sozialer Sicherheit und auch unsere volksdemokratische Freiheit auf dem Spiel steht.
Die gedanklichen Irrwege dieser Wahl
Zwar war die Wahlbeteiligung sehr niedrig, aber dennoch wirkten die meisten BRD Bürger wie verirrte Schäfchen. Angst vor Neuem, zu bequem sich mit politischen Hintergründen zu befassen, wählte man wieder nach gewohnter Manier den Untergang. Gerade der Deutsche scheint aus seiner Geschichte nichts gelernt zu haben und verhält sich wie ein kleines, hilfloses Baby. Kaum zu glauben, dass wir über Jahrzehnte wirtschaftliche Erfolge durch unseren Individualismus und unseren Ehrgeiz erzielt haben. Davon ist nun aber seit geraumer Zeit absolut nichts mehr zu erkennen. Waren doch dieses Mal genug Alternativen am Start, um zumindest einen bunten Mix zu wählen, so saßen am Ende wieder die alten Parteien auf dem Thron: SPD, CDU, Grüne, FDP und als einzigste Alternative Die Linke.
Die Alternativen nutzen
Wenn man als Gesellschaft schon Alternativen angeboten bekommt mit Potenzial, dann sollte man sich mit diesem zumindest auch auseinandersetzen, denn sonst kann man durch eine Wahl nichts ändern. Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber: der Deutsche hat es mit Bravur gemeistert. Bedenkt man mal welche Möglichkeiten wir hätten, wenn dort jetzt 8 Parteien sitzen würden, wovon 5 Alternativparteien wären. SPD, CDU und Grüne knapp drin und eine vollkommen neue Partei hätte die Spitze übernommen. So hätte man auch schon einen Beitrag für die Bundestagwahlen geleistet.
Alles Neue ist schlecht – Andere EU Länder denken inzwischen weiter
Andere europäische Länder, welche noch keine goldenen Jahre hatten, verhalten sich anders, denn dort gibt es keinen „schönen” Blick in die Vergangenheit und dort kann man zum Teil auch nicht auf dauerhaften Wohlstand zurückblicken. Bei dieser Europawahl hat man wieder sehr gut erkennen können, dass die BRD viel zu lange einen augenscheinlichen Wohlstand aufrecht erhalten hat. Im Grunde finanziert sich dieser schon seit langem aus neuen Schulden. Andere Länder versuchen aber neue Wege zu gehen und wählen auch mal ungewöhnliche Alternativen ins Parlament. Sicherlich hat das nicht nur positive Auswirkungen, aber man handelt als Wähler immerhin noch. Dass es hier zu einem Rechts- und Linksruck gekommen ist, war abzusehen: denn was als parlamentarische Mitte angesehen wird, ist schon lange nicht mehr die Politik des Volkes. Wobei man die Begriffe Links und Rechts durchaus auch mit Vorsicht genießen sollte, denn nicht selten werden sie verwendet, um den Wähler einzuschüchtern und die Angst im eigentlichen Denken des Einzelnen zu fördern. Es ist komisch, dass jede Alternative gleich Rechts oder Links eingeordnet wird. Dabei erinnere ich mich genau, dass da eine gewisse Parlamentssitzung dafür ausschlaggebend war: die Herren zu meiner Linken, die Herren zu meiner Rechten und die Herren zu meiner Mitte. Dabei sind viele Forderungen gewisser Volksalternativen inzwischen eher als menschlich und logisch anzusehen. Es wird lediglich auf Versäumnisse der etablierte Politik hingewiesen und welche Auswirkungen ein solches Verhalten auf uns alle hat. Auch wir sollten uns an manchen EU Ländern ein Vorbild nehmen, in welche das Volk stets seine Meinung äußert zu wichtigen Themen, ob es nun gefragt wird oder nicht. Frankreich ist hier noch immer ein Vorzeigeland, und hier herrscht auch noch emotionales Gefühl, welches zum beherzten und gemeinschaftlichen Handeln verleitet. Deutschland war arbeitsmäßig mal eine Vorbildnation, doch politisch und menschlich gesehen noch nie. Hier können wir viel von unseren EU-Nachbarn lernen. Dort denkt man frei, pflegt zum Teil den Zusammenhalt und den revolutionären Geist. Jede Veränderung fordert in sich eine friedliche Revolution.
Der Vertrag von Lissabon – bei den Wahlen in den Hintergrund gestellt
Eigentlich einer der wichtigsten Entscheidungen auf europäischer Ebene und irgendwie gar nicht wirklich existent gewesen bei der Europawahl. In Ländern wie Irland betont man sehr stark, dass der Wahlausgang nichts mit dem Vertragswerk zu tun hatte, und auch die Wahl an sich nicht vom Vertrag geprägt wurde. Nun bei dem Druck, welchen man auf Irland ausgeübt hat, ist das kein Wunder. Für die etablierten Kräfte der EU, für die Hintergrundlobby ist der Vertrag bereits sichere Sache, denn man legt auf Volksentscheidungen aus mehreren Ländern kein Wert und lässt zur Not immer und immer wieder abstimmen, bis auch dem letzten Mahner die Puste ausgegangen ist. Ansonsten ist die Taktik aufgegangen, den Vertrag von etablierter Seite ja nicht zu sehr ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken zu lassen. Dabei hängt alles von dieser Entscheidung ab: davon ob der Vertrag realisiert wird oder nicht. Sollte dieses Vertragswerk umgesetzt werden, so können wir uns von den Wörtern „sozial” und „Freiheit” verabschieden und die einst auf freiheitlichen Grundrechten geschaffene EU zu Grabe tragen.
Fazit: eine weitere Chance zu einer friedlichen Veränderung nicht genutzt. Es wurde weiter geschlafen und der Alptraum nimmt kein Ende, egal welche korrupten Züge aufgedeckt werden.
Das Volk kniet weiter im Staube vor Tyrannen Thron!
